Tipp für das Arbeiten mit einem internen Kommunikationskonzept:

Gedanken mit dem „Fokussprint“ sortieren.

IK Blog Fokussprint

„Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit den vielen Fakten umgehen soll, die ich gesammelt habe. Ich habe mich verzettelt. Was kann ich tun?“, fragte mich kürzlich eine Workshop-Teilnehmerin. Wir sprachen darüber, wie sie am besten ein Konzept erstellt, um ihre interne Kommunikation zu verbessern.

Mir hilft gegen das Verzetteln die Technik des Schreibdenkens, der sogenannte Fokussprint, den mir Ulrike Scheuermann gezeigt hat. Es geht darum, seine Gedanken zu einem bestimmten Thema innerhalb einer festgelegten Zeit fließen zu lassen. Wichtig dabei ist, die Gedanken nicht zu zensieren. Haben Sie Lust, diese einfach zu erlernende Technik auszuprobieren? Dann los!

1. Fokus wählen

Überlegen Sie sich einen „Fokus“, also zum Beispiel eine Frage oder eine Überschrift. Nehmen Sie sich dann ein Blatt Papier, einen Stift und einen Wecker. Bei mir funktioniert der Fokussprint am besten handschriftlich, doch Sie können natürlich auch am Computer schreiben. Probieren Sie aus, was Ihnen besser liegt.

2. Zeit terminieren

Stellen Sie den Wecker auf fünf bis zehn Minuten. Ich schreibe am liebsten zehn Minuten durch, doch auch hier gilt: Probieren Sie einfach aus, welche Zeitspanne bei Ihnen am besten wirkt.

3. Schreiben

Schreiben Sie zu Ihrem Fokus (die von Ihnen gewählte Überschrift oder Frage) in der vorgegebenen Zeit in einem Fluss, und zwar

  • ohne zu unterbrechen
  • ohne Fehler zu korrigieren
  • ohne im Text vor- oder zurückzuspringen
  • ohne zu lesen
  • ohne Eigenzensur und ohne irgendwelche Filter zu setzen.

Als Filter gilt z. B. der Wunsch, besonders ansprechend, intelligent, fehlerfrei oder druckreif zu schreiben. Die Notizen des Fokussprints sind nur für Sie gedacht, haben Sie also keine Hemmungen.

Wenn Ihnen nichts mehr einfällt, die Zeit aber noch nicht um ist, schreiben Sie das letzte Wort erneut. Der nächste Gedanke kommt dann schon. Falls das mal nicht so klappt, schreibe ich das letzte Wort mehrmals – so lange, bis der nächste Gedanke aufblitzt. Wenn der Wecker klingelt, vervollständigen Sie den letzten Satz und beenden Sie das Schreiben.

4. Fazit ziehen

Die Auswertung sieht so aus: Lesen Sie den Sprint durch und markieren Sie die Aussagen, die Ihnen am wichtigsten erscheinen. Sie können auch noch kurze Bemerkungen hinzufügen. Ziehen Sie zum Schluss ein Fazit und notieren Sie dieses in einem Kernsatz.

Zwei Varianten zum Fokussprint

Der Gedankensprint: Hier gibt es keine Frage oder Überschrift, sondern es wird alles, was einem im Kopf herumschwirrt, frei aufgeschrieben.

Die Schreibstaffel: Sie beginnen mit dem Fokussprint, wie ich ihn beschrieben habe. Nehmen Sie anschließend den Kernsatz als neue Überschrift oder auch Frage und schreiben Sie erneut einen Fokussprint. Ulrike Scheuermann empfiehlt insgesamt drei Durchgänge. Sie erarbeiten also drei Kernsätze und ziehen am Ende ein komplettes Fazit.

In der Praxis

Meine Workshop-Teilnehmerin und ich haben überlegt, welcher Frage sie nachgehen bzw. welche Überschrift sie für ihren Fokussprint wählen könnte. Mehrere Möglichkeiten standen zur Auswahl:

  • Was soll sich mit einem Konzept ändern?
  • Meine Bezugsgruppen
  • Wenn ich die vielen Fakten betrachte, was ist mir für mein Konzept davon wirklich wichtig?
  • Warum fällt es mir so schwer, mich bei der Konzeptarbeit zu fokussieren?

Sie begann mit der ersten Frage und merkte, wie hilfreich der Fokussprint war. Die letzte Frage beantwortete sie im Selbstcoaching – auch dafür eignet sich diese Technik.

Werden Sie den Fokusspring ausprobieren? Haben Sie Lust, über Ihre Erfahrungen zu berichten?

PS: Diese Technik ist übrigens nicht neu, sondern hat ihren Ursprung in der Psychotherapie Ende des 19. Jahrhunderts. André Breton, französischer Schriftsteller und ein wichtiger Vertreter des Surrealismus, hat sie in den 1920er Jahren als „Ecriture automatique“, das „automatische Schreiben“, aufgegriffen und geprägt. Für ihn war diese Technik ein „Denkdiktat ohne jede Kontrolle der Vernunft“.

 

Weiterdenken? Weiterlesen?

Der Küchenzuruf: Werkzeug aus dem journalistischen Storytelling, um Botschaften und Themen auf den Punkt zu bringen.

 

Umgang mit Bedenken:

Ein Hoch auf die Bedenkenträger!

Umgang mit Bedenken

 

„Wenn es Bedenkenträger nicht gäbe, müssten sie erfunden werden.“ Dieser Gedanke kam mir spontan, als ich auf Twitter einer Diskussion zur Digitalisierung folgte. Ausgelöst wurde er von dem Aufruf „Bedenkenträger und Befürworter sollen endlich in Ruhe über das Thema Digitalisierung diskutieren!“, bei dem ich über den negativ besetzten Begriff „Bedenkenträger“ stolperte. Bedenken sind meiner Ansicht nach nichts Negatives. Ich verstehe darunter Überlegungen, die jemand aufgrund von Zweifeln oder Befürchtungen anstellt. Werden sie laut geäußert, sind sie für mich hilfreiche Botschaften und erlauben andere Perspektiven. Durch die Zusammensetzung mit dem Wort „Träger“ bekommt das Ganze allerdings eine negative Konnotation. Ich begann, über die Funktionen von Bedenkenträgern im Unternehmen nachzudenken. Weiterlesen

Die Zukunft der internen Kommunikation.

Interne Kommunikation auf dem Weg zur „leading position“?

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Wie sieht die Zukunft der internen Kommunikation aus? Ist die interne Kommunikation tatsächlich auf dem Weg, eine führende Position einzunehmen? Dazu sprach Frau Prof. Dr. Dr. Mast auf der depak-Tagung „Interne Kommunikation“ Anfang Juni 2016. Das Thema interessierte mich weiter, und ich fragte bei ihr schriftlich nach.

Frau Prof. Dr. Dr. Mast, warum ist es so schwierig, den Begriff „Interne Kommunikation“ zu definieren? Was verstehen Sie unter „Interner Kommunikation“?

Weitersagen:
„Interne Kommunikation umfasst das gesamte Kommunikationsgeschehen in einer Firma.“ Prof. Dr. Dr. Claudia Mast

Dieses Kommunikationsfeld kann man sehr eng fassen und letztlich auf ein professionelles Management von einzelnen Medienkanälen wie Mitarbeitermagazine, Intranet oder Newsletter reduzieren. Ein solches Verständnis von interner Kommunikation greift aber meines Erachtens in der heutigen Zeit viel zu kurz und trägt auch zu wenig zur Verstärkung von Motivation und Identifikation bei den Mitarbeitern bei. Interne Kommunikation umfasst das gesamte Kommunikationsgeschehen in einer Firma – die formalisierten und die informellen Prozesse, z. B. Gerüchte, die Medienkommunikation wie auch die Führungskräftekommunikation, die Regelkommunikation ebenso wie die Kommunikationsabläufe in der Projektarbeit. Dieses Kommunikationsfeld als Ganzes zu bearbeiten, ist um ein Vieles schwieriger. Weiterlesen

Kulturveränderungen in der Praxis.

Ein Medienhaus erfindet sich neu: Bericht aus der Kultur-Transformationswerkstatt.

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„Wir sind 2016 das erfolgreichste regionale Medienhaus Deutschlands!“ „Wow!“, dachte ich, „das ist mal ´ne Ansage.“ Wir sitzen alle in einem großen Kinosaal in Osnabrück und unsere Geschäftsführung erzählt uns von ihrer neuen Vision und der neuen Strategie. Die Digitalisierung hat uns als Medienhaus bereits voll erwischt: frei verfügbarer Content auf zahlreichen Kanälen, Auflagen und Werbeerlöse sinken und keine Lösung in Sicht – zumindest nicht die EINE Lösung. Das klingt nicht wirklich vielversprechend. Und doch stellen wir uns gerade breitschultrig hin und träumen von einer Zukunft, die positiv ist, die uns stolz und erfolgreich macht? Weiterlesen