Arbeitsplatz der Zukunft und Widerstände

Empfehlungen für einen wirkungsvollen Umgang mit Widerständen

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IK-Blog-Widerstand

Sie gestalten den Arbeitsplatz der Zukunft und es geht nicht richtig voran? Liegt es am Widerstand Ihrer Mitarbeitenden? Widerstand zu ignorieren oder zu leugnen, ist zwecklos. Er wird mit umso größerer Kraft seinen Weg finden. Besser ist es, ihn aktiv aufzugreifen. Diese Empfehlungen können Ihnen dabei nützlich sein.

Angst gehört zu unserer biologischen Grundausstattung. Es sicherte unseren Vorfahren das Überleben. Der Prozess hin zum digitalen Arbeitsplatz ist nicht lebensbedrohlich. Dennoch fährt das evolutionspsychologische Angstprogramm vieler Mitarbeitender ab. Über diese Ängste zu sprechen, ist in Unternehmen (noch) verpönt. Und so zeigt sich die Angst auf subtilere Weise: Die Mitarbeitenden gehen in Widerstand. Was können Sie als Kommunikationsverantwortliche tun?

Widerstand nicht abwerten

Bedenkenträger, Bremser, Jammerlappen: Für vermeintliche Widerständler gibt es viele Etiketten. Vermeiden Sie sie. Werten Sie nicht ab und verurteilen Sie nicht. Die Diskussionen werden sich sonst verhärten und zu einem Teufelskreis führen: Wenn wir ein bestimmtes Verhalten bei unserem Gesprächspartner erwarten, nehmen wir dieses in unserem eigenen Auftreten vorweg. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass unser Gesprächspartner genau in die erwartete Rolle und das erwartete Verhalten verfällt. Dieses Phänomen kennen wir als self-fulfilling-prophecy.

Widerstand als nützlich akzeptieren

Nehmen Sie Widerstand als biologisches „Nebenprodukt“ unserer Evolution an. Diskutieren Sie ihn nicht mit Schönwetterreden weg, akzeptieren Sie ihn. Er enthält eine wichtige und zumeist versteckte Botschaft. Widerstände können beispielsweise Hinweise darauf sein, dass

  • Bedürfnisse und Erwartungen der Mitarbeitenden nicht (ausreichend) einbezogen wurden,
  • diese das Ziel, den Nutzen oder die Hintergründe des digitalen Arbeitsplatzes nicht verstanden haben,
  • sie die Informationen für unglaubwürdig halten,
  • Sachargumente gegen den Prozess sprechen,
  • mögliche Risiken nicht (ausreichend) beachtet oder nicht diskutiert wurden.

Mitarbeitende einbinden

Um Widerständen schon im Vorfeld zu begegnen, beteiligen Sie die Mitarbeitenden am Prozess. Der Arbeitsplatz der Zukunft benötigt ohnehin eine neue Art der Kommunikation und Zusammenarbeit. Partizipation, Transparenz und Selbstorganisation gelten als Grundprinzipien. Klären Sie, bei welchen Themen und bis zu welchem Grad die Mitarbeitenden selbst entscheiden dürfen. Kommunizieren Sie nachvollziehbar. Vermeiden Sie Pseudobeteiligung. Schaffen Sie Räume zum Experimentieren und zum Austausch, und ermutigen Sie Teams schrittweise zu immer mehr Selbstorganisation.

Spüren Sie gerade beim Lesen selbst Widerstand, weil die beschriebenen Aufgaben nicht zu Ihrer Rolle und Stellenbeschreibung passen? Wenn dem so ist, klären Sie konkret Ihren Aufgabenbereich und Ihre Schnittstellen.

Interne Kommunikation pflegen

Ihre Möglichkeiten, dem Widerstand zu begegnen, sind begrenzt? Überlegen Sie zumindest, wie Sie den Weg zum digitalen Arbeitsplatz mit einer sorgfältigen internen Kommunikation ebnen können. Dazu gehört:

  • Veränderungsbotschaft
    Entwickeln Sie eine klare Veränderungsbotschaft und erläutern Sie die Gründe, die Ziele und das Vorgehen. Transportieren Sie die Botschaft immer wieder über verschiedene Kanäle und in unterschiedlicher Tiefe und Ausprägung. Wir nehmen Informationen selektiv wahr, und unser Gehirn benötigt Wiederholungen.
  • Persönliche Kommunikation
    Ermöglichen Sie persönliche Gespräche und eröffnen Sie „Kommunikationsräume“, am besten mit den direkten Führungskräften. Je stärker der Einzelne involviert ist, desto wichtiger ist ihm der persönliche Austausch.
  • Symbolkommunikation
    Das gesprochene Wort muss mit Taten übereinstimmen. Wie digital arbeiten Ihre Führungskräfte? Achten Sie auf eine angemessene Symbolkommunikation und schulen Sie die Führungskräfte. In Veränderungsprozessen beobachten die Mitarbeitenden die Geschäftsleitung und die Führungskräfte genau.
  • Evaluation
    Wir können nie sicher sein, ob unsere Botschaften auch so ankommen, wie wir es beabsichtigt haben. Überprüfen Sie deswegen regelmäßig die Resonanz Ihrer Kommunikation, zum Beispiel mit einem Sounding Board.

Sie sehen: Der Umgang mit Widerstand ist komplex und hochaktuell. Vielleicht (oder sicherlich?) wird es eines Tages möglich sein, ihn mit Algorithmen aufzugreifen. Bis dahin sind Ihre Erfahrungen, Ihr Fingerspitzengefühl und Ihre „Handarbeit“ gefragt.

Mein Blogartikel erscheint zeitgleich im „Praxistipp für Kommunikation auf Augenhöhe“ der Staffbase GmbH.

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Persönliche interne Kommunikation in digitalen Zeiten. Das Gespräch ist tot. Es lebe das Gespräch!

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Bildnachweis: thinkstock OgnjenO

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