Mit Best Practice die interne Kommunikation gestalten?

Über den Nutzen und Unsinn von Best-Practice-Beispielen

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Hand aufs Herz: Was erwarten Sie von diesem Artikel? Konkrete Beispiele, wie Sie die interne Kommunikation verbessern können? Dann werde ich Sie enttäuschen müssen: Der Zweck dieses Blogartikels ist es nicht, Best-Practice-Beispiele zu präsentieren. Es geht vielmehr darum, sich ein paar Gedanken über den Sinn solcher Beispiele zu machen.

Best Practise suggeriert schnelle Lösungen

Bevor ich meinen Programmvorschlag für das angefragte Seminar abliefern konnte, hatte der Veranstalter bereits mit Best-Practice-Beispielen aus meiner Feder geworben. Augenscheinlich geht nach wie vor eine Sogwirkung von diesen Beispielen aus, vor allem beim Marketing. Ich selbst bin keine große Freundin davon.

Unter Best-Practice-Beispielen verstehe ich Folgendes: Eine Organisation hat eine Vorgehensweise oder ein Instrument entwickelt und ist der Meinung, dass auch andere davon profitieren können. Best Practice suggeriert dabei eine Lösung, die ohne viel Aufwand kopiert werden kann. Im besten Fall ist ein Best Practice also eine Blaupause, die sich auf das eigene Unternehmen übertragen lässt. Das kann tatsächlich funktionieren – bei Prozessen, die sich leicht standardisieren und reproduzieren lassen.

Kopieren oder studieren?

Ich bezweifle jedoch, dass dieses Vorgehen funktioniert, wenn Sie die interne Kommunikation verbessern wollen. Motivation und Einstellung der Mitarbeiter, die prägende Branche, Organisationsstruktur, Kommunikationsprozesse, Kultur und weitere Aspekte müssten deckungsgleich sein. So etwas ist fast unmöglich. Hinzu kommt, dass wir es in der internen Kommunikation selten mit linearen Beziehungen zu tun haben, sondern vielmehr mit zirkulären Prozessen. Wir können Voraussagen treffen und Szenarien entwickeln. Ob sie tatsächlich so eintreten, wissen wir nicht. Wir können nur beobachten und versuchen, uns stetig zu verbessern.

Lohnt sich Best Practice dann überhaut? In einigen Situationen schon.

Best-Practice-Beispiele sind hilfreich

  • bei einfachen Prozessen, die sich leicht reproduzieren lassen.
  • zur Inspiration und als Gedankenanstöße.
  • als Energieschub, um selber mit dem Nachdenken zu beginnen.
  • zur Überprüfung der eigenen Position.
  • zur eigenen Beruhigung.

Best-Practice-Beispiele sind nutzlos

  • als Blaupause für komplexe Situationen, die eine maßgeschneiderte Lösung verlangen.
  • bei zirkulären Kommunikationsprozessen.
  • bei der Entwicklung von Kommunikationskonzepten und -strategien.
  • bei Kulturveränderungen.

Was können Sie tun, um Best Practice in der internen Kommunikation sinnvoll zu nutzen?

Überlegen Sie, was Sie tatsächlich mit Best Practice erreichen wollen. Wägen Sie dann ab, ob sich der zeitliche und finanzielle Aufwand lohnt – bei mir ist das meistens nicht der Fall. Folgende Fragen können Ihnen bei Ihren Überlegungen helfen:

Reflexionsfragen

  • Wofür brauchen Sie Best Practice?
  • Welches Bedürfnis steckt hinter „Best Practice“?
  • Suchen Sie Inspiration oder schnelle Lösungen?
  • Wie viel Zeit und Geld wollen Sie für die Sammlung investieren?
  • Was brauchen Sie, um starten zu können?
  • Sind die vorliegenden Best-Practice-Beispiele für Ihre Aufgabenstellung hilfreich?
  • Was wäre für Ihre Zielerreichung (noch) hilfreich?
  • Gibt es andere Formate als Best Practice, die für Sie lohnenswert sind?
  • Was können Sie tun, um eigene Lösungsansätze zu entwickeln?

 

Am besten selber denken

1:1-Kopien helfen selten. Entwickeln Sie Ihre eigenen Ansätze, die auf Ihre Organisation zugeschnitten ist. Wer seine interne Kommunikation dauerhaft wirkungsvoll gestalten möchte, sollte am besten eigene Konzepte erstellen und ausprobieren.

 

Weiterdenken? Weitelesen?

Persönliche Gespräche in den Unternehmen verbessern: Dem Denken mehr Raum geben.

Tipp für das Arbeiten mit einem internen Kommunikationskonzept: Gedanken mit dem „Fokussprint“ sortieren.

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Bildnachweis: Thinkstock – Marekuliasz

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